
Kein anderes Lebewesen hat eine Waffe zur Selbstverteidigung, die den Feind verwundet, aber auch zum eigenen Tode führen kann. Der Giftstachel der Bienen ist eine reine Verteidigungswaffe und dient nicht dem Angriff. Der Stachel ist mit scharfen Zähnchen besetzt. Diese haken sich im Körper des Feindes fest. Hat die Biene andere Insekten gestochen, kann sie den Stachel aus deren Chitinpanzer wieder herausziehen. Bei einem Säugetier dagegen, reißt sie sich den Stachel selbst aus. Allgemein wird angenommen, dass so eine Biene sofort stirbt. Dies ist allerdings nicht immer der Fall. Oft kann sie noch bis ins eigene Nest gelangen, ihre Nektartracht übergeben und die Pollenhöschen abstreifen. Manchmal lebt sie sogar noch einige Tage, fliegt aber nicht mehr aus und stirbt im Stock.
Bienen gewinnen ihr Gift aus dem Pollen. Bienen, die ohne Pollen ernährt werden, bilden kein Gift. Das Gift wird als Abbauprodukt des Pollens in der Giftdrüse gebildet und gespeichert. Obwohl das bei einem Stich verabreichte Gift nur auf ein Gewicht von 0,1-0,3 mg kommt, ist die entsprechende Wirkung doch beachtlich. Neben dem Hauptbestandteil Melittin, einer Reihe von Aminosäuren enthält es auch ein Enzym, welches ebenfalls in Schlangengiften vorkommt.
Schon die alten Babylonier nutzten Bienengift bei rheumatischen Erkrankungen. Damals wurden die Bienen noch direkt aufgesetzt. Heute ist man in der Lage Bienengift isoliert zu gewinnen, so dass die Biene dafür nicht mit ihrem Leben bezahlen muss.
Bienengift regt die Bildung von körpereigenem Kortison an und ist bei allen Krankheiten von Nutzen, bei denen sonst Kortison gespritzt wird. Außerdem wirkt es gefäßerweiternd und fördert die Durchblutung. Da bei Menschen mit einer selten auftretenden Insektengiftallergie eine besondere Gefährdung besteht, gehört eine Behandlung mit Bienengift in die Hände eines Fachmannes.