Firmenbienen-News 01/2026

News-Details

30. Januar 2026

Die Urform der Imkerei

Führen Sie oder einer Ihrer Verwandten den Familienname Zeidler, Armbruster oder Bienengräber, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ihre Vorfahren auch Imker waren.  Die Zeidlerei ist die Urform der Imkerei. Diese hat in unserer Region eine lange Tradition, welche mindestens bis ins frühe Mittelalter (550-1000) zurückreicht. Die Kerngebiete der Zeidlerei sind hautsächlich die slawischsprachigen Gegenden. Besonders verbunden sind sie auch mit den Berufen der Pfefferküchler oder Lebkuchenbäcker, wie die Regionen um Nürnberg oder Pulsnitz, da Honig für diese Gewerke als Hauptzutat benötigt wurde.

Der Zeidler war ein Honigsammler mit Waldbienenhaltung. Er schuf im Wald in den Bäumen, in etwa 6 Meter Höhe künstliche Höhlen. Der Eingang dieser Bienenbehausungen wurde mit einem Brett und einem Flugloch versehen und man hoffte entweder auf die Ansiedlung von Bienen oder der Zeidler brachte zum Beispiel einen gefangenen Bienenschwarm hinein. Als Werkzeug benötigte der Zeidler neben Beil und Hohleisen auch ein Kletterseil. Für seinen Eigenschutz war er außerdem mit einer Armbrust ausgestattet, da auch Bären vom Honig angelockt wurden.

Als der Wald zunehmend als Produzent für Bauholz genutzt wurde, verlor die Waldbienenhaltung in Deutschland an Bedeutung. Außerdem wurde im 19.Jahrhundert, mit dem Anbau von Zuckerrüben, Honig als Süßungsmittel ersetzt. Für den Bienenwachs gab es auch bald einen Ersatz durch Öle und Paraffine.

In den belarussischen Ländern und Polen wurde die Zeidlerei nie aufgaben und 2020 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.

Mittlerweile gibt es bei uns, im Rahmen von Naturschutzprojekten, Versuche Bienenvölker wieder im Wald anzusiedeln.

Zeidlermännchen - Historische Darstellung am Zeidlerschloss in Feucht bei Nürnberg

Zeidlermännchen – Historische Darstellung am Zeidlerschloss in Feucht bei Nürnberg